Beckstein, die CSU und der Alkohol
Als der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein am 15. September 2008 in Erding im Weißbräuzelt erklären sollte, wie das mit den Plänen der Bundesregierung, die Promille-Grenze beim Autofahren abzusenken, sei, erklärte er: „Eine anständige Maß werden wir nicht auf den Index stellen“. Nach Ansicht des Ministerpräsidenten kann man sogar mit zwei Maß noch ans Steuer: „Es ist nicht das Problem, wenn einer eine Maß trinkt, oder wenn er ein paar Stunden da ist, auch zwei.“Der sonst so knallharte Beckstein genehmigt sich beim Thema Alkohol eine Ausnahme. Das war auch früher schon so: 1997 war Beckstein Innenminister. Der Bundestag plante die Promille-Grenze von 0,8 auf 0,5 zu senken. Beckstein kämpfte gegen den „Anschlag auf die bayerischen Volksfeste“. Schließlich gehe es beim Führerschein um Existenzen. „Wenn ich eine Maß Bier trinke, liege ich bei etwa 0,6 Promille“, rechnete er damals vor. „Dass mir dann der Führerschein für einen Monat weggenommen wird, würde ich für schwer erträglich halten.“
Alkohol am Steuer ist in der CSU eine gute Tradition:
- Otto Wiesheu, damals CSU-Generalsekretär, rammt 1983 im Suff (1,7 Promille) auf der Autobahn ein Auto. Der Fahrer kommt ums Leben. Wiesheus Karriere geht trotzdem ungeschmälert weiter, von 1993 bis 2005 ist er Bayerischer Minister für Wirtschaft, Verkehr und Technologie.
- Der Würzburger Stadtrat und Oberbürgermeister Jürgen Weber (CSU) verliert im Frühjahr 1984 seinen Führerschein wegen Alkohol am Steuer.
- Im November 1984 muss Ex-Bundesinnenminister Hermann Höcherl den Lappen wegen Alkohol am Steuer abgeben,
- ebenso der Landtagsabgeordnete Gustav Matschl (CSU).
- Der CSU-Vize Landrat von Kelheim Hans Kirzinger verursacht im Dezember 1985 mit 1,23 Promille einen Unfall mit einem Toten.
- Mit 1,4 Promille Alkohol im Blut baut der ADAC-Ehrenpräsident Franz Stadler (CSU) 1989 einen Unfall mit 40.000 DM Sachschaden.
- Der Programmdirektor des Bayerischen Rundfunks Wolf Feller (CSU) bringt es 1994 mit 2,36 Promille zu zwei Totalschäden.
- Der Landrat des Landkreises Lindau/Bodensee Manfred Bernhardt (CSU) gerät 2000 mit 1,8 Promille in eine Alkoholkontrolle.
Am gleichen Tag als Beckstein für den (zwei)-maßvollen Umgang mit Bier plädierte, warnte die Drogenbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Maria Eichhorn – Mitglied der CSU – zwar vor den Folgen des Alkoholkonsums: „Insbesondere Jugendliche, Schwangere, aber auch Eltern müssen intensiver als bisher über die Folgen des Alkoholkonsums für die eigene Gesundheit sowie für die Gesundheit ihrer Kinder informiert werden.“ Um dann aber einen seltsamen Satz nachzuliefern: „…Ziel aller Maßnahmen (…) muss (sein), das Einstiegsalter in den Alkoholkonsum von derzeit 11,8 Jahren erheblich zu senken.“
Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
P.S.: Danke an Matthias für diese -erschreckende- Zusammenstellung.

Hehe,
der Satz von Frau Eichhorn scheint mir in die Kategorie der positiv oder negativ zu bewertenden Ergebnisse positiver oder negativer Schwangerschaftstests zu fallen.
Es ist manchmal nicht so einfach…
Ansonsten bleibt nur zu hoffen, daß allmählich andere Kräfte als die der dumpfen Bierzeltjubler Mehrheiten in Bayern schaffen…
vermutlich ist maria eichhorn eine lobbyistin des bierbrauerei-kartells und ihr unterbewusstsein hat ihr da einen streich gespielt.
und ich dachte immer das einstiegsalter sei bislang 12,294 Jahre gewesen.